• Ich war noch niemals in New York. Laszlo Földesi über die Irrwege von New Work

Ich war noch niemals in New York

By | 2018-05-21T15:22:40+00:00 März 26th, 2018|Aktuelles, New Work|0 Comments

Den folgenden Artikel habe ich im Rahmen meiner Bewerbung für das NWX-Stipendium 2018 geschrieben. In ihm nehme ich mein bisheriges Berufsleben augenzwinkernd unter die Lupe und zeichne den Weg zu meiner aktuellen Arbeit um die Themen Digitalisierung und New Work nach. Der Text stieß auf Begeisterung, sodass ich eines der begehrten Tickets gewinnen und der NWX dieses Jahr in der Elbphilarmonie beiwohnen durfte. Das Schreiben des Textes hat mir viel Freude gemacht und ich möchte Menschen Mut dazu machen, sich für den eigenen Weg zur New Work zu entscheiden. Auf jedem Weg zur (beruflichen) Selbstverwirklichung gibt es Stolpersteine, die uns mit genügend Abstand doch eher wie kleine Kieselsteine auf einem der vielen Pfade unseres Lebens erscheinen. New Work heißt für mich letztendlich auch über Erlebnisse zu sprechen und aus Ihnen zu lernen. Es freut mich, wenn jemand etwas aus dem Text mitnehmen kann. Und wenn er nur der Unterhaltung dient, ist damit auch schon viel getan. Viel Spaß beim Lesen.

Ich war noch niemals in New York

Was klingt wie der Erfolgshit vom passionierten Bademantelträger und Schlagertitan Udo Jürgens (Gott habe ihn selig), ist die fast normal gewordene Reaktion meiner Gesprächspartner, wenn Sie mich fragen, was ich denn beruflich mache und ich Ihnen antworte „Ich bin Berater für New Work“.

Was für mich ganz selbstverständlich klingt, scheint für viele noch immer Neuland zu sein (Frau Merkel lässt grüßen).

Ich fühle mich dabei häufig wie in einer schlechten Hollywood-Szene: Beim Blind-Date in einer Bar, in der es viel zu laut ist und mein Gegenüber einfach nicht verstehen will, was da aus meinem Mund kommt. Vielleicht ist es aber auch eher Loriot.

„Sind Sie denn großer Amerika-Fan?“

Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll.

„Nein, nein. New Work. Das hat mit Arbeit zu tun.“

„Ja sicher, so eine Reise ist immer sehr anstrengend. Das brauchen Sie mir nicht zu erzählen.“

Das ist auch nicht das, was ich sagen will.

„Nein, New Work, da geht es um die Arbeit der Zukunft.“

„Hm. Was das mit Amerika zu tun haben soll, verstehe ich zwar nicht, aber Arbeit? Da hat sich bei mir die letzten 20 Jahre nichts geändert.“

Und so geht es dann über in die Klassiker:

„Das haben wir immer schon so gemacht.“

„Wir können da doch eh nichts ändern.“

„Meinem Chef kann ich nichts sagen.“

Zahlen, bitte.

Ich kenne diese Aussagen und Haltungen gut. Denn ich habe mein Berufsleben in einem sehr klassischen Bereich begonnen, in dem es nur so vor angestaubten Ansichten und Machtstrukturen wimmelte. Vielleicht sollte man eher von einem erzkonservativen Geschäft sprechen. Wer mich heute sieht, würde es kaum glauben, aber es ist wahr – Ich habe den Beruf des Bankkaufmannes erlernt.

Die Idee, mich als Banker zu bewerben, kam mir auf einer Ausbildungsmesse am Funkturm in Berlin. In Berlin bin ich geboren und aufgewachsen. Ein Studium kam für mich damals nicht in Frage. Mein Bruder und ich waren die Kinder von Arbeitern. Studiert waren in unserer Familie nur die Wenigsten. Es musste was „Solides“ her. Und als ich die Schwärme von jungen Menschen in Anzügen und Kostümen in einer Ecke des Ausstellungsgeländes sah, fiel mir eine Sache schlagartig ein. Ich sah schon immer gut aus in Anzügen. Naja. Und es war “Irgendwas mit Menschen”. Das entsprach damals dem Wunsch der ahnungslosen Jugend, die nur unzureichend auf das Arbeitsleben vorbereitet wurde. Dieser Wunsch ist bis heute geblieben. Ob die jungen Menschen heute besser auf die Welt da „draußen“ vorbereitet werden, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Jedenfalls habe ich mich bei sieben Banken beworben. Bei drei Banken wurde ich zum Gespräch und zum Einstellungstest eingeladen. Nach meinem ersten Bewerbungsgespräch habe ich einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Die ganze Familie war glücklich. Und ich auch.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich meine Abi mit einer 4- in Mathe bestanden habe. Die Schuld an der Finanzkrise trage ich trotzdem nicht. Schon damals ist mir aufgefallen, dass es nicht um Zertifikate oder Abschlüsse gehen kann, will man die Leistung eines Menschen einschätzen. Ich war ein sehr guter Banker. Denn ich war schon immer gut im Kopfrechnen und schneller darin als meine Kollegen. Zudem hatte ich schon immer ein Gespür für das große Ganze, sodass ich Investitionsrechnungen und Kreditzinsen mühelos ohne Taschenrechner berechnen konnte. Mein Zeugnis hätte darauf nicht schließen lassen.

Die Rechnung geht nicht auf.

Mein erster Tag in der Bank begann mit einem Treffen in der Zentrale der Landesbank Berlin. Damals in der Brunnenstraße. Über 100 junge Menschen saßen auf unbequemen Klappstühlen, die ihre besten Tage gesehen hatten. Zur Begrüßung erhielten alle eine Tüte mit Give Aways. Dabei war auch ein Teddybär, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, meine Sachen mit Fusseln zu dekorieren. An dem Tag trug ich keinen Anzug. Bei der ersten weniger offiziellen Veranstaltung, in der es um den Ablauf der Ausbildung ging und bei der sich etliche große Tiere der Bank selbst, ihr Institut und uns als jungen, nach Erfolg strebendem Nachwuchs beweihräucherten, war ich einer der wenigen, die einen Anzug trugen. Also ließ ich es diesmal sein und kam schick, aber ohne Krawatte und Jackett.

Nach dem üblichen Palaber über unsere Zukunft und die der Bank wurden wir in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Meine Gruppe machte sich auf den Weg durch die großen Hallen der Bank. Die Fusseln des Bären kamen mit.

Wir wurden in einen Raum gesetzt und uns wurde gesagt, was an Schulungen auf uns zukommt und in welchen Filialen wir arbeiten würden. Eine nette Gruppe junger Menschen, von denen die Hälfte nicht wusste, was sie hier eigentlich sollte. Eine Mitarbeiterin, die ich schon bei meinem Bewerbungsgespräch kennengelernt hatte, sah mich, kam zu mir rüber und flüsterte mir ins Ohr, ich möge doch ab jetzt bitte im Anzug kommen. Peinliche Angelegenheit.

Die nächsten zwei Jahre der Ausbildung kam ich im Anzug. In die Filiale und zu Schulungen. Und auf einmal war die Prüfung da, die ich etwas holprig bestanden habe. Ich erinnere mich noch gut daran, dass bei der Prüfung einer meiner Lehrer saß, der sich für den tollsten Hecht im Karpfenteich hielt und der fand, dass meine, seiner Ansicht nach wenig zufriedenstellende Leistung, sich homogen in meine schriftlichen Prüfungsergebnisse eingliedern würde. Ein anderer Prüfer meinte, er würde mich ja nicht einstellen, aber er würde mich jetzt auch nicht durchfallen lassen wollen.

In meinem ersten Jahr nach der Übernahme war ich einer der erfolgreichsten Berater in meinem Kundensegment und bekam mehrere Sonderzahlungen und wurde von Kollegen angerufen, die mich um meinen Rat baten. Dabei habe ich Kunden nie betrogen. Und auch wenn es wie ein Vorurteil gegenüber der Branche klingt, der anhaltende Zahlendruck hat viele meiner Kollegen dazu gebracht, Kunden unnötige Produkte zu verkaufen.

Auch wenn der Mensch im Mittelpunkt stehen sollte, so wie es auf den Prospekten und den Webseiten immer hieß, ging es am Ende nur um Zahlen. Es gab Bauspar- oder andere Aktionswochen, zu denen Kunden, die weder Bedarf noch Interesse an den beworbenen Aktionen hatten, aktiv angesprochen und vom Kauf des neuen Produkts überzeugt wurden.

Für mich kam das gar nicht in Frage und ich war froh, dass ich meine Kunden ehrlich beraten konnte. Dadurch war ich zwar nicht in allen Feldern im Soll, aber in einigen so gut, dass mein cholerischer Chef mir nichts konnte. Aber meinen Kollegen. Wie konnte es sein, dass sie ihre Ziele nicht erreichten. Dass diese mit ehrlicher Beratung nicht zu erreichen waren, interessierte nicht. Es ging nur ums Geld und um Wachstum. Und das erzählte er uns. Jeden Tag. Zwei Stunden lang. Bis wir die Filiale geöffnet haben und alle so unter Druck standen, dass wir zur Leistung nicht mehr im Stande waren.

Ich wollte das nicht länger. Neben diesen Arbeitsbedingungen kam noch hinzu, dass ich jeden Tag rund 3 bis 4 Stunden pendeln musste (innerhalb Berlins). Das ging an die Substanz. Mein Arbeitstag hatte im Durchschnitt 14 Stunden.

Eines Tages wurden wir zur Betriebsversammlung eingeladen. Das war immer ein buntes Durcheinander. Man traf alte Weggefährten und ehemalige Mitauszubildende. Wie immer fand die Versammlung im Berliner Zoopalast statt. An diesem Tag war die Klimaanlage kaputt. Es war unsagbar schwül und die Luft war stickig. Das langweilige Zahlenjonglieren auf der Bühne half einem nicht gerade dabei, wacher zu werden. Wenigstens waren die Getränke umsonst.

Und dann kam ein Absatz, der mein weiteres Berufsleben für immer verändern sollte. Wir wurden damals von der größten deutschen Bank gekauft. Und das bedeutete Veränderung. Und eben diese Veränderung hieß auch, dass alle befristeten Verträge nicht verlängert würden. Es gab nur wenige ehemalige Auszubildende, die einen unbefristeten Vertrag erhalten haben. Ich hatte keinen. Die Situation wurde noch hitziger. Es gab Rückfragen und Anschuldigungen, die scheinbar im Nichts verhalten. Ich konnte das Ende nicht hören. Ich musste zu einem Kundentermin.

Zeit für was Neues

Ich hatte einen guten Draht zu meinem damaligen Vertriebsbereichsleiter. Ein toller Typ, der auch menschlich was zu bieten hatte. Ich habe ganz offen mit ihm gesprochen und ihn um Alternativen gebeten. Ich wusste, dass meine Zahlen stimmen und ich ein gutes Standing in der Region hatte. Doch auch er konnte nichts machen. Man hätte mich über eine Zeitarbeitsfirma einstellen können. Da hätte ich dann einen Bruchteil dessen verdient, was ich zu dem Zeitpunkt bekommen habe. Wie es weitergehen würde, war ungewiss.

Was sollte ich nun machen? Mich bei einer anderen Bank bewerben? Doch mir war klar, dass es da auch nicht anders aussah. Und dann dachte ich, was wenn ich studiere? Darüber hatte ich nie ernsthaft nachgedacht. Vielleicht mal ein wenig gesponnen. Aber das war für mich einfach nicht realistisch. Und was wenn doch?

Ich habe in meinem Freundeskreis rumgefragt, was dort so studiert wird und was man denn mit meiner Ausbildung machen könne. Überraschung: BWL. Nein danke, dachte ich. Ich wollte das System nicht noch bestärken. Ein System, dessen Versagen ich gerade am eigenen Leib erspüren konnte. Ich wollte genau das Gegenteil.

Beworben habe ich mich für verschiedene Studiengänge der Kommunikation, Kultur und Literatur. Die Auswahl war aufgrund meines Abiturs allerdings nicht ganz so groß. Doch Lernen habe ich erst in meiner Ausbildung gelernt. Zu schade. Im Endeffekt wurde ich aber an mehreren Unis zugelassen. Studiert habe ich einen Studiengang bei dem der Mensch im Mittelpunkt stand: Kultur und Technik.

Hier ging es um Wirtschaftsphilosophie, den Menschen, seine Entwicklung und darum, dass sich Kultur und Technik in einem stets wiederholenden Kreislauf bedingen. Hier konnte ich meine Fähigkeiten und Vorstellung von Kommunikation und Arbeit entwickeln und in meinen vielen Jobs und Projekten in die Praxis bringen.

Ich war Sprecher der Studierendenschaft, Finanzer im Fachschaftsrat, Referent für Hochschulpolitik, Referent für Kommunikation und habe an verschiedenen Lehrstühlen gearbeitet. Unter anderem am Lehrstuhl für Organisation, Personalmanagement und Unternehmensführung, wo ich aktiv in das Projekt „Biotechnologie 2020+“ eingebunden war. Zudem habe ich einen Weiterbildungsstudiengang mit aufgebaut und war Teil des Familienbüros meiner Uni.

Aus diesen vielfältigen Eindrücken und Erfahrungen habe ich den 2014 stattfindenden Zukunftspreis Kommunikation des DVPT e.V. zum Anlass genommen, meinen eigenen Entwurf eines Arbeitsplatzes der Zukunft zu entwickeln. Der genaue Titel war „Arbeitsplatz der Zukunft. Arbeitsplatzgestaltung in Analogie zur Struktur neuronaler Netze.“ Klingt spannend, oder? Zumindest dachte sich das die Jury und so kam ich unter die 100 Finalisten des Awards und bekam eine Einladung zur Future Convention im Museum der Kommunikation. Hier präsentierten die Teilnehmer ihre Projekte vor öffentlichem Publikum und einer Fachjury. Eine Teilnehmerin war damals auch Gina Schöler, die heutige Glücksministerin (und Speakerin bei der NWX 2018).

Da stand ich nun mit meiner Präsentation und einem Haufen Visitenkarten. Meine Freundin, die damals ihren Bachelor in Architektur machte, hat meine Idee in einen 3D-Entwurf gepackt. Er sah ungefähr so aus, wie der neue Apple-Campus. Damals war davon öffentlich noch keine Rede. Mit einem entsprechenden Kommunikationskonzept war mein Arbeitsplatz ein architektonisches und kommunikatives Meisterwerk, dass seiner Zeit voraus war. Dachte ich zumindest. Bis ein älterer Mann an meinen Stand kam.

Ich war gerade im Gespräch mit einer Gruppe interessierter Menschen, als er sich nach einem kurzen Moment des Zuhörens lauthals echauffierte, sowas habe man schon vor 20 Jahren gemacht (Das kommt uns doch allen bekannt vor, was?). Als ich versucht habe ihn zu einer sachlichen Diskussion seiner Behauptung zu bewegen, damit ich vor den anderen Zuhörern nicht dastand, wie der letzte Vollidiot, winkte er ab und verschwand in der Masse. Dieses Verhalten ist ein Sinnbild, für die Widerstände und Vorurteile, die mir noch heute immer wieder in meiner Arbeit begegnen. Das hat mich allerdings damals wenig beeindruckt und tut es auch heute nicht.

Nach einem anstrengenden Tag gab es eine nicht enden wollende Preisvergabe. In über 10 Kategorien wurde der Preis vergeben. Die, in denen ich antrat, waren schnell vorbei. Und so war ich nicht nur ziemlich erschöpft, sondern auch ganz schön geknickt über den Ausgang des Tages. Ein Freund, den ich lange nicht gesehen habe, hat mich abgeholt und wir wollten einen netten Abend verbringen. Immerhin etwas, über das ich mich freuen konnte.

Ich hatte gerade meine Sachen gepackt, als die Sonderpreise verliehen wurden. Und auf die Bühne kam ein Mann, mit dem ich mich lange unterhalten hatte. Wie sich herausstellte, war er ein hohes Tier bei avm, dem Hersteller der guten alten Fritz-Box. Er sagte, dass ihm die Wahl nicht leicht fiel, da es enorm viele und unglaublich tolle Projekte zu bestaunen galt, aber er habe sich mit einem jungen Mann unterhalten, dessen Leidenschaft und Ehrgeiz er spüren konnte und dessen Projekt er einmalig fand. Und dann vergab er den Preis. Und er sagte meinen Namen. Ich konnte es nicht fassen. Ich stolperte die unendlich scheinende Treppe hinunter zur Bühne, die voll von Menschen war. Er schüttelte meine schweißnasse Hand und überreichte mir einen großen Scheck über 1000 Euro.

In den kommenden Monaten wurde ich wiederholt für Vorträge zu den Themen Arbeit der Zukunft und Digitalisierung durch den Veranstalter angefragt. Für eine kleine Aufwandspauschale blieb ich am Zahn der Zeit. Und ich merkte, dass das mein Thema werden konnte. Aber erstmal gab es eine Pause. Meine Freundin und ich beendeten unser Studium und gingen für ein halbes Jahr auf Reise durch Südeuropa.

Eine Idee wird Wirklichkeit

Wir waren in Frankreich, Spanien und Portugal und es war herrlich. Doch wo wollten wir als nächstes hin. Unsere Köpfe waren voller Ideen. Unsere Portemonnaies waren leider nicht so voll. Kein Geld, keine Wohnung. Was wollten wir als nächstes machen? Die Wahl stand zwischen Berlin (meiner Heimatstadt) und Hamburg (der Heimatstadt meiner Freundin). Da ich Hamburg schon mehrfach besucht hatte, mir die Menschen dort gefielen und meine Freundin dort immer aufblühte, beschlossen wir dorthin zu ziehen.

Auf der letzten Station unserer Reise haben wir eine Freundin kennengelernt, die zufälligerweise auch aus Hamburg kommt und bei der wir zur Untermiete wohnen konnten. Die Miete konnten wir uns gerade so leisten und wir hatten nur 2 Monate Zeit etwas Eigenes zu finden. Ich habe ein neues Studium angefangen, zu dem ich nach Kiel pendeln musste. Meine Freundin begab sich auf Jobsuche. Ich habe einen Studentenjob angefangen.

Bei meinem Job ging es um die Vermarktung eines Smart Homes. Um das Apartimentum. Das klang spannend, denn in meinen Vorträgen ging es ja nicht nur um die Arbeit der Zukunft, sondern um die Zukunft im Allgemeinen. Und so ging ich zum Vorstellungsgespräch. Und dort traf ich Lars Hinrichs, Xing-Gründer und Bauherr des Apartimentum. Wir waren sofort beim Du und verstanden uns gut. Ich teilte seine Vision und am Ende unseres Termins gab er mir die Hand und hieß mich im Team willkommen.

Meinen Job bei Lars habe ich zunehmend ausgebaut. War ich am Anfang noch verantwortlich für Social Media, wurde ich im Laufe der Zeit teilweise zur Bauherrenvertretung und letztlich Projektmanager für die Technik im Haus. Das Studium hing ich an den Nagel. Die ewige Pendelei und der Einheitsbrei der Vorlesungen brachten mich nicht wirklich weiter.

Parallel zu meiner Arbeit habe ich mein Kleingewerbe ausgebaut. Nach meiner Wiederkehr von der Reise habe ich weitere Vorträge für den Veranstalter des Zukunftspreises Kommunikation gehalten. Und dann bat mich ein Zuhörer um einen Vortrag bei einer von ihm geplanten Veranstaltung. Ich fand die Idee gut und er wollte ein Angebot haben. Er wollte mir also Geld dafür geben, dass ich das mache, was ich am Liebsten mache. Aber gerne doch. Und so kam es zu meiner ersten kleinen Firma.

Mit dem Kompetenzzentrum Digitalisierung habe ich eine Plattform geschaffen, bei der es um den Austausch zukünftiger Arbeits- und Gesellschaftsformen gehen sollte. Zudem habe ich die Vision eines ganz analogen Zentrums je Bundesland gehabt, in denen Unternehmen, Familien und andere Gesellschaftsgruppen Digitalisierung erleben und erlernen konnten. Mein ausgereiftes Papier wollte ich damals SPD-Vize Ralf Stegner vorstellen, der mir allerdings nur eine halbe Stunde seiner Zeit kurz vor Weihnachten einräumen wollte. Danke für das Interesse.

Auch wenn kein Termin zustande kam, die Idee war ein voller Erfolg. Mittlerweile gibt es vom Bund geförderte Kompetenzzentren für den Mittelstand in jedem Bundesland. Insgesamt sind es 22. Auch wenn ich an der Umsetzung nur indirekt beteiligt war, freue ich mich über die Entstehung der Zentren.

Ich mache es einfach selbst.

In den letzten 2 Jahren habe ich meine Fähigkeiten als Speaker und in der Kommunikation ebenso ausgebaut, wie meine Expertise in den Bereichen New Work und Digitalisierung. Mitte letzten Jahres habe ich dann all meinen Mut gefasst und mich Vollzeit selbstständig gemacht.

Ich bin als Speaker und Berater zu den Themen Digitalisierung und New Work tätig. Das ganze habe ich unter den Namen wechange.work gepackt.

Der Name ist für mich Programm. Ein Mantra. Nur gemeinsam können wir die Welt von Morgen verändern. Und um das zu tun, müssen wir heute damit anfangen. Mit meiner Selbstständigkeit, in allem was ich darin tue, finde ich ein Sinnbild für den neuen Zeitgeist, das gelebte Bild für New Work. Und jeder der meine Domain googelt, nimmt an dieser gemeinsamen Suche teil.

wechange.work

Ich arbeite alleine. Unabhängig und aus Leidenschaft. Ich bin dem Projekt, dem Auftraggeber und meinen Partnern verpflichtet. Dennoch arbeite ich nicht in starren Strukturen und halte mich von antiquierten Machtverhältnissen fern.

Ich arbeite im Team. Mit einem Netzwerk aus Menschen, deren Leistung und Menschlichkeit ich schätze.

Ich probiere neue Dinge aus. Ich schaue über den eigenen Tellerrand und sehe erst den Menschen und dann die Leistung.

Ich arbeite digital. Trello und Slack gehören zu meinen Kommunikationswerkzeugen. Meine Kunden erreichen mich per Whatsapp.

Ich lebe, was ich vermittle.

Die Welt von Morgen belohnt Authentizität. Sie fragt danach. Es geht um Vertrauen – Produkten, Dienstleistungen und vor allem Menschen gegenüber. Wir suchen den Sinn hinter dem was wir machen und wie wir es machen. Der Mensch ist längst kein Kapital mehr. Aber er braucht Kapital, um etwas Neues zu schöpfen.

Der Mensch ist keine Ressource. Er ist der Motor, der Ressourcen braucht und das Fahrzeug antreibt.

Arbeit muss nicht länger druckvoll sein. Sie kann aus einem Zug entstehen. Einer gemeinsamen Vision des Möglichen. Und nicht aus der Angst vor dem scheinbar Notwendigen.

Anstatt sich permanent neue Kennzahlen auszudenken, die Alles und Nichts zeigen und zum Teil überflüssige Prozesse sichtbar machen und so ein Administrativ-Monster schaffen, sollten wir uns auf das konzentrieren, was wirklich zählt. Auf den Menschen. Wir müssen im Gespräch bleiben und Fragen stellen. In einer Welt, die zeit- und ortunabhängiges Arbeiten fördert und fordert, geht es nicht länger um Quantität. Es geht um Qualität. Empathie, Vertrauen, Ehrlichkeit sind schwer messbar. Aber sie sind der Schlüssel zum Erfolg. Ob im Beruf oder im Privatleben. Statt neue Werkzeuge zu entwickeln, die an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigehen, denen man sich entgegen der eigenen Vorstellungen anpassen muss, sollte die Entwicklung von Kollaboration den Menschen und seine Wünsche in den Vordergrund stellen.

Der Mensch ist nicht länger Konsument. Er ist Prosument. Er will entscheiden, wie sich Produkte und Dienstleistungen entwickeln. Was in der Freizeit ein Selbstverständnis ist, wird im Arbeitsumfeld als Sünde bestraft. Während ich mein Leben außerhalb des Büros jederzeit und nach meinem Willen über Whatsapp und den Messenger planen und steuern kann, ist der Einsatz von Facebook und Co. in vielen Büros dieser Welt verboten. Und das obwohl ich Kunden und Kollegen schneller und besser erreichen kann. Wer etwas ändern will, was außerhalb der Unternehmensstrukturen liegt, hat in vielen Unternehmen noch immer schweres Spiel. Die kluge Idee eines aufmerksamen Mitarbeiters wird so schnell zur Beschwerde eines unzufriedenen Lohnarbeiters.

Wer von New Work spricht, der spricht von einem neuen Menschenbild. Einer Haltung. Einem Wertesystem. Wir sind als gesamte Gesellschaft gefragt, wie wir die Weichen für eine Zukunft stellen können und wollen, in der unsere Kinder und Enkelkinder gerne und ohne Druck miteinander leben und arbeiten können. Diese Veränderung beginnt heute.

NWX ist ein Teil des Weges.

Mein eigener Lebenslauf zeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn man an Entwicklung glaubt und seine Ziele beharrlich verfolgt. Neue Wege gehen, heißt eben auch bekannte Pfade verlassen. Was einen selbst Überwindung kostet, ist für die Mitreisenden, die das Ziel nicht vor Augen haben, oft ein unüberwindbares Hindernis.

Die neue Arbeitswelt ist eine Welt zwischen Bewähren und Bewahren. Nicht alles, was neu ist, ist automatisch gut. Nicht alles, was alt ist, sollte man aufgeben. Die Aushandlung darüber kann nur gelingen, wenn wir mit- und füreinander arbeiten und leben. Wir müssen uns befreien aus dem Zweckkomplex der Erwerbsarbeit und unsere Hingabe für unser Leben vor die Erfüllung sinnfreier Aufgaben stellen. Wir müssen uns fragen, wie wir Sinn in dem schöpfen, was wir tun. Arbeitszeit ist auch Lebenszeit und sollte daher genauso gelebt werden, wie unsere Freizeit.

Ich bin Vertreter der Generation Y. Ich ich will mitdenken, mitsprechen und mitbestimmen, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Auf Veranstaltungen sehe ich häufig Speaker und Moderatoren, die mit einem Auge schon auf den Ruhestand schielen. Auch wenn Erfahrung wichtig ist. Neugier ist der Schlüssel zur Veränderung.

Und mit dieser Neugier möchte ich der NWX 18 begegnen.

Ich war zwar niemals in New York, aber wenn mich jemand fragt, ob ich dieses Jahr auf der New Work war, dann möchte ich “Ja” sagen.

Wenn ihr es geschafft habt, bis hier zu lesen und davon überzeugt seid, dass ich auf der NWX nicht fehlen darf, dann freue ich mich auf eure Nachricht und auf das begehrte NWX-Stipendium.

Vielen Dank für eure Zeit und euren Mut, neue Wege zu gehen.

Digitale Grüße

László

About the Author:

Mit wechange.work unterstützt László Földesi Unternehmen auf ihrem Weg in die Arbeit der Zukunft und berät zur internen sowie externen Kommunikation.

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