• Hocheffiziente Teams in Zeiten der Digitalisierung. Wie wollen wir in Zukunft kommunizieren?

Hocheffiziente Teams

By | 2018-05-21T15:21:53+00:00 Januar 4th, 2018|Aktuelles, Kommunikation|0 Comments

Auf einer Veranstaltung vor 2 Jahren habe ich einen Vortrag zum Thema „War for Talents“ gehalten, in dem es darum ging, wie Unternehmen in Zukunft potentielle Mitarbeiter*innen gewinnen und welches Mindset und welche Tools sie dafür entwickeln können.

An diesem Tag war ich nicht der einzige Speaker. Es gab eine Reihe an Vortragenden aus den Bereichen HR und Digitalwirtschaft. Ein Speaker, dessen Namen ich absurderweise vergessen habe, hat einen ganz besonderen Eindruck auf mich gemacht.

Er war der einzige, der keine Präsentation erstellt hat. Während der anderen Vorträge hat er sich Notizen zu dem Vorgetragenen gemacht.

Mutig, mutig, dachte ich. Auch ich interagiere mit dem Publikum und reagiere auf die Gefühlslage und das Geschehen im Raum. Aber so ganz unvorbereitet will man ja dann doch nicht wirken.

Wirkte der Mann auch nicht.

Als er auf die Bühne trat, gab es ein Feuerwerk an Impressionen und Reaktionen auf das bisher gesagte und spannende Überleitungen und Denkanstöße zu den verschiedensten Themen.

Ich erinnere mich vor allem daran, dass Begriffe wie „Indianerfriedhof“ und „morphische Felder“ gefallen sind.

Ich erinnere mich auch daran, dass der Teilnehmer neben mir, sich zu mir rüberbeugte und flüsterte: „Normalerweise würde man so Jemanden ja als Spinner abtun, aber irgendwie passt das.“

Ich fand auch, dass das, was der Mann erzählt hat, gepasst hat. Das hatte Witz, Gehalt und irgendwie Hand und Fuß.

Und einer seiner Begriffe ist mir in den letzten Tagen mal wieder in den Sinn gekommen – der Begriff „Hocheffiziente Teams“.

Hä? Was haben denn Indianerfriedhöfe mit Hocheffizienten Teams zu tun?

Gar nichts!

Aber als ich vor einen paar Tagen mal wieder darüber nachdachte, woran es bei der Zusammenarbeit mit anderen am meisten hapert, erschien mir dieser Begriff vor meinem inneren Auge.

Ich habe festgestellt, dass die scheinbar schwierigsten Projekte, die ich in meinem Arbeitsleben mit anderen zum Erfolg führen konnte, immer ein solches Hocheffizientes Team im Hintergrund hatten.

Im Folgenden möchte ich die für mich wichtigen Eigenschaften aufzählen, die solche Teams und deren Mitglieder meiner Ansicht nach auszeichnen.

Hocheffiziente Teams kommunizieren viel

Die häufigsten Probleme in der Projektarbeit entstehen durch unzureichende oder unklare Kommunikation. Kein Wunder also, dass die meisten Unternehmen versuchen Standards einzuführen und die Kommunikation auf das „Wichtigste“ zu beschränken, um mögliche Fehlerquellen zu vermeiden. Wer wenig kommuniziert kann schließlich wenig Fehler machen. Richtig? Falsch!

Meiner Erfahrung nach verändern sich die Kommunikationsbedürfnisse im Team ständig.

Das hat zum einen mit den Bedürfnissen der einzelnen Teammitglieder zu tun. Nicht jeder kommuniziert gerne auf den Kanälen, auf denen die anderen kommunizieren. Zum anderen verändert sich die Kommunikation und die Anforderung daran mit der Komplexität des Projekts.

Eine einmal aufgestellte Struktur gerät schnell an ihre Grenzen oder ist nicht mehr in der Lage, alle Anforderungen abzudecken.

Hocheffiziente Teams erkennen das und entwickeln ihre Kommunikation punktuell weiter. Sie sprechen über die Metaebene der Kommunikation, also darüber, wie sie kommunizieren. Das führt zunächst zu einem „Mehr“ an Kommunikation.

Dieses „Mehr“ rechnet sich im weitergehenden Kommunikationsprozess, da der Prozess an sich effizienter wird. Effizienz bedeutet in diesem Fall bedarfsgerecht und unterstützend zu kommunizieren.

Hocheffiziente Teams

  • nehmen sich Zeit für Kommunikation und sprechen über neue Anforderungen, Regeln und den Einsatz noch unbekannter Tools
  • probieren schnell neue Lösungen aus und evaluieren Erfolge und Misserfolge für die Kommunikationsziele durch den Einsatz dieser Tools, wenden diese an oder wechseln zu einer für sie „besseren“ Lösung
  • suchen das direkte Gespräch
  • sprechen die Bedürfnisse der anderen und auch die eigenen Bedürfnisse in der Kommunikation an

Hocheffiziente Teams stellen viele Fragen – aber keine Schuldfragen

In jedem Projekt und in jeder Zusammenarbeit entstehen Unklarheiten, egal, wie gut man kommuniziert.

Hocheffiziente Teams wissen, dass ihre Mitglieder nicht alles wissen können. Es gibt keine Schuldzuweisungen oder Probleme aufgrund eines Informationsmangels. Der Informationsmangel wird durch die anderen Mitglieder und das Bereitstellen notwendiger Informationen ausgeglichen.

Dazu haben alle Mitglieder die Möglichkeit Fragen zu stellen. Wenn jemand etwas nicht weiß, liegt es an der gesamten Kommunikationsstruktur und nicht an der Kommunikation des oder der Einzelnen.

Ebenso kann jedes Mitglied Antworten geben. Jede Antwort ist eine zusätzliche Information oder Perspektive. Mitglieder geben Antworten, weil sie denken, dass die enthaltenen Informationen wichtig sind. Die Empfänger dieser Information nehmen diese Perspektiven wahr und wissen, dass vermeintlich doppelte Informationen die Bedeutsamkeit einer Perspektive oder Information unterstreichen.

Die Grundlage für die Zusammenarbeit Hocheffizienter Teams sind

  • Vertrauen
  • Ehrlichkeit
  • Verbindlichkeit

Hocheffiziente Teams sind lösungsorientiert

Sollte es zu einem Informationsmangel kommen, den kein Mitglied des Teams ausgleichen kann, dann versucht jedes Mitglied Ressourcen oder Ansprechpartner*innen zur Lösung dieses Problems bereitzustellen.

Jedes Mitglied weiß an jeder Stelle der Kommunikation, dass es für alle im Team spricht, da seine Kommunikation als Teil der Kommunikation des gesamten Teams zu verstehen ist.

Daher kennen sie auch die Aufgaben und Projektabläufe des gesamten Teams. Sie wissen über die wichtigen Projektschritte Bescheid und begleiten sich gegenseitig beim Erfüllen dieser Schritte. Sie planen das Projekt gemeinsam und von „hinten nach vorne“ und überlegen auch im laufenden Projekt, wo Probleme entstehen können und wie man sie gemeinsam lösen kann.

Hocheffiziente Teams kommunizieren

  • als Sprachrohr für das gesamte Team
  • im Sinne des gesamten Projekts
  • mit Rücksicht auf den Zeit- und Projektplan
  • mit Rücksicht auf die Kommunikationsbedürfnisse ihrer Teammitglieder und anderer Projektbeteiligter

Hocheffiziente Teams sind zeitsensitiv, aber nicht zeitsensibel

Nicht immer können Deadlines eingehalten werden. Es kann immer was dazwischen kommen. Ob es sich dabei um private Gründe handelt oder sich Projekte aufgrund von Lieferschwierigkeiten verzögern.

Gute Team-Mitglieder sind zeitsensibel, aber nicht empfindlich. Sie wissen mit solchen Situationen umzugehen und die vermeintlich verlorene Zeit sinnvoll zu nutzen.

Hocheffiziente Teams sind

  • flexibel und reagieren klar und überlegt, wenn sich Projektabläufe ändern
  • in der Lage, allen Projektbeteiligten empathisch im Bezug auf private oder berufliche (Lebens-)Umstände zu begegnen
  • sich klar darüber, dass auch kleine Aufgaben länger dauern können

Hocheffiziente Teams haben Humor

Die größten Erfolge in Teams hatte ich mit Menschen, die wussten, wann es im Projekt ernst wurde und ihren guten Sinn für Humor auch dann nicht verloren haben.

Gemeinsame Späße und „Insider“ fördern den Zusammenhalt und bringen die Leichtigkeit in den stressigen Alltag zurück. Selbstverständlich dürfen diese Späße niemanden beleidigen, diffamieren oder diskreditieren.

Humor entzerrt Situationen und zeigt Absurditäten auf, in denen man sich allzu gerne mal verliert und denen man dann wieder mit klaren Kopf begegnen kann.

Hocheffiziente Teams

  • lachen gemeinsam
  • sehen in den kleinen Macken der anderen, liebevolle Eigenheiten und keine nervigen Fehler
  • bauen sich gegenseitig mit einer gesunden Portion Humor auf

Hocheffiziente Teams haben ein gutes Arbeitsklima

Natürlich sind das nur einige Auszüge aus einem guten Miteinander im Team. Oft sind diese Dinge eng verwoben und können noch um viele Eigenschaften ergänzt werden.

In meiner Erfahrung sind die aufgeführten Punkte wichtige Grundzüge für ein effizientes und gutes Arbeitsklima, das dazu führt, dass die gemeinsame Zusammenarbeit keinen oder nur wenig Druck ausübt. Die gemeinsame Teamdynamik entspringt einem inneren Zug.

Ich wünsche mir, dass andere mit auf diesen Zug aufspringen und bin gespannt darauf, was für Eigenschaften ihr noch ergänzen könnt.

Digitale Grüße

László von wechange.work

About the Author:

Mit wechange.work unterstützt László Földesi Unternehmen auf ihrem Weg in die Arbeit der Zukunft und berät zur internen sowie externen Kommunikation.

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