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Gelebte Führung

By | 2018-05-21T15:21:03+00:00 Dezember 5th, 2017|Aktuelles, Führung, Kommunikation|0 Comments

Beispiele für gutes Führen in der Theorie zu vermitteln ist das eine. Sie wirklich erlebbar zu machen, das andere. Daher freut es mich immer besonders, wenn ich Augen- und in diesem Fall Ohrenzeuge eines Paradebeispiels guter Führung werde.

Meine Freundin und ich sind am Sonntagabend von einem Wochenendausflug nach Lissabon zurückgekehrt. Nach 3,5 Stunden Flug und ordentlich Programm an den zwei Tagen ist man doch ganz schön platt. Und so hört man dann einfach in seine Umgebung hinein.

Wir haben uns also in die Bahn gesetzt, um unseren Weg nach Hause anzutreten, als ein Mann in die Bahn stieg und sich genau hinter uns setzte. Der Mann war vielleicht Mitte 30. An seinem Englisch konnte man hören, dass er kein Native Speaker ist. Was er aber gesagt hat, war Gold wert und ein Zeichen für gute Führung.

Auch wenn es nicht möglich war, die Gesprächspartnerin oder den Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung zu hören, möchte ich gerne die Sätze wiedergeben, die ich gehört habe und kommentieren, was ich daran besonders fand.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass Führung nicht gleich Führung ist und dass die Abgrenzung innerhalb dieses Begriffs im englischsprachigen Raum wesentlich besser gelöst ist. Es gibt einen großen Unterschied zwischen „Management“ und „Lead“. Diese Unterscheidung ist wichtig und soll in einem zukünftigen Beitrag näher erläutert werden.

Aufgrund der besseren Lesbarkeit und Nachvollziehbarkeit werden die Sätze aus dem Telefongespräch einzeln und ins Deutsche übersetzt aufgeführt und jeweils kommentiert.

„Wie klären wir solche Situationen? In Ruhe und auf Augenhöhe.“

Gleich im ersten Satz wurde mir klar, dass das Gegenüber ein Problem hat. Offensichtlich war die Person am anderen Ende der Leitung ziemlich aufgeregt. Der Mann in der Bahn allerdings nicht.

Er hat das Gegenüber beruhigt und ihm dann die Möglichkeit gegeben zu reflektieren und durchzuatmen und sich auf den Fahrplan zu berufen, der offensichtlich für solche Problemsituationen besprochen wurde.

Gleichzeitig erinnert er das Gegenüber daran, dass eine Situation, sei Sie noch so schlimm, in Ruhe geklärt wird. So sinken die Chancen auf Folgefehler oder Falschaussagen.

Sich in Problemsituationen auf Augenhöhe zu begegnen, heißt sich weder über den anderen zu stellen, noch sich ihm zu unterwerfen. Beide Verhaltensweisen würden dem Problem nicht auf der Sachebene, sondern auf der emotionalen Ebene begegnen.

Auch wenn Emotionen wichtig sind, verhaften diese doch eher am Problem, als dass sie in einer solchen Situation zu einer Lösung führen.

„Mach einen persönlichen Termin.“

Bevor man nun den nächsten Fehlschuss zündet oder einen (weiteren) Kommunikationsfehler begeht, sollte man versuchen, das Problem von Angesicht zu Angesicht zu lösen.

Am besten geht das über einen zeitnahen, persönlichen Termin. Sollte das nicht möglich sein, sollte man versuchen, einen Kanal zu wählen, bei dem man soviel wie möglich von dem Anderen wahrnehmen kann.

Ein Telefonat ist immer besser als eine Mail. Ein Videoanruf immer besser, als ein Telefonat (es sei denn, die Qualität ist miserabel). Zu bevorzugen ist allerdings immer das persönliche Gespräch.

„Bereite dich vor.“

In dem Moment, in dem man einen Fehler gemacht hat oder etwas passiert ist, was einem anderen als Fehler erscheint, sollte man sich die Zeit nehmen, die Faktenlage zu checken. Was hat man mit dem anderen besprochen, was davon wurde schriftlich vereinbart, wo ist eine Fehlkommunikation entstanden?

In dieser Vorbereitung geht es nicht darum, mit den besseren Waffen in die Schlacht zu ziehen und einen unvermeidlichen Kampf zu gewinnen. Es geht darum ein Problem auf der Sachebene zu klären und nach einer Lösung zu suchen, ohne sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben.

In der Vorbereitung sollten Lösungsalternativen für beide Seiten vorbereitet werden.

„Ich schicke dir, was du brauchst.“

Der Mann am Telefon hat das Problem analysiert und dem Gegenüber zugesichert, dass er ihm in der Situation hilft und ihm Ressourcen gibt, die er für die Lösung des Problems braucht.

Gute Führung bedeutet nicht, den anderen für einen Fehler zu bestrafen (oder zu belohnen), sondern einen möglichen Ressourcenmangel auszugleichen.

Zudem ist Führung auch immer die Begleitung eines Anderen – ob in guten oder in schlechten Zeiten.

„Nimm die Nachricht, wie sie ist.“

Hier kommt nochmal der Hinweis darauf, dass die Nachricht auf der Sachebene zu verstehen ist. In solchen Situation hilft es niemandem sich zu einem emotionalen Nervenbündel zu entwickeln.

Eine gute Führungskraft weiß das, da sie schon oft in Ausnahmesituation war und kann dem Gegenüber mit Rat und Tat zur Seite stehen.

„Keine Entschuldigungen.“

Das Gegenüber am Telefon hat nun gesehen, dass der Mann ihm bei der Bewältigung des Problems hilft und sich für das Problem entschuldigt und wahrscheinlich auch dafür, dass es die Führungskraft nun mit in das Boot geholt oder etwaigen Schaden verursacht hat.

Eine gute Führungskraft weiß, dass Fehler passieren, denn sie sind menschlich – und das ist auch die gute Führungskraft. Zu zeigen, dass Fehler passieren können, ermutigt Mitarbeiter*innen dazu, neue Dinge auszuprobieren.

Selbstverständlich sollten Fehler deswegen nicht zum Dauerthema werden (es sei denn, in ihrem Business geht es darum, Fehler zu machen).

„Was brauchst du noch?“

Nachdem die Situation nun also besprochen war, hat der Mann wiederholt gefragt, ob es noch etwas gibt, was er für das Gegenüber tun kann.

Diese Frage zeigt Voraussicht, denn das Gegenüber könnte in seiner Aufregung vergessen haben, was es denn noch braucht. Vielleicht ein kleines, aber wichtiges Detail.

So gibt der Mann dem Gegenüber nochmal die Chance zu zeigen, dass er zugehört hat, verständnisvoll und für das Gegenüber da ist.

„Einen schönen Abend.“

Der Mann hat dem Gegenüber nicht das Gefühl gegeben, das es gestört hat.

Während des gesamten Gesprächs war der Mann am Telefon ruhig, besonnen und lösungsorientiert.

Nicht einmal hat er den Faden oder seine Geduld verloren, sondern war sowohl ganz in der Situation des Gegenübers, als auch im Prozess zur Lösung des Problems.

Nach dem Telefonat kam nicht mal ein schweres Durchatmen. Kein Fluchen oder Meckern.

Gelebte Führung

Ich denke, es wird ziemlich klar, worum es mir mit diesem Beispiel geht. Der Mann am Telefon hat in dieser Situation ausgesprochen gute Führungsqualitäten bewiesen.

Auch er ist erst spät gelandet und war sicher müde. Dennoch war er für sein Gegenüber da und hat dabei geholfen, das Problem zu lösen.

Wir alle neigen in Problemsituationen dazu, emotional oder gestresst zu reagieren. Das hilft niemandem.

Im Endeffekt wollen wir unsere Arbeit alle gut machen. Fehler passieren. Deswegen sollte man sie nicht verschweigen und drüber reden.

Gute Führungskräfte helfen einem mit diesen Fehlern umzugehen.

So wie der Mann am Telefon.

Kommunikation spielt nicht nur in dieser Geschichte eine entscheidende Rolle. Wenn Sie ein eigenes Unternehmen führen, dann liegt Ihnen eine gelungene interne und externe Kommunikation sicher am Herzen.

Vielleicht gibt es gerade eine Situation, die Ihre besondere Aufmerksamkeit in der Kommunikation fordert und die Sie alleine nicht lösen können. Gerne bin ich für Sie da und unterstütze Sie dabei dieses Problem zu lösen.

Kontaktieren Sie mich gerne noch heute und wir besprechen das weitere Vorgehen. Ich freue mich auf Sie.

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Mit wechange.work unterstützt László Földesi Unternehmen auf ihrem Weg in die Arbeit der Zukunft und berät zur internen sowie externen Kommunikation.

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